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Das 100000. «Cuboro»-Spiel ist vom neuen Fliessband gelaufen

Hans Nyfeler Holzwaren, Gondiswil. Im vergangenen
Dezember gab es im Betrieb von Hans Nyfeler, Holzwaren, in Gondiswil ein grosses Ereignis zu feiern: Der hunderttausendste Kasten mit «Cuboro»-Holzwürfeln wurde fertiggestellt. Unterdessen konnte eine neue Lager- und Verpackungshalle in Betrieb genommen werden.

Hans, Remo und Nelly Nyfeler (v.l.n.r.) freuen sich über die neue Förderanlage, die sie in der ebenfalls neuen Lager- und Verpackungshalle einrichten konnten. Bild: Berty Anliker
Trotz einem Grundsatz von Hans Nyfeler, wonach er «qualitatives, nicht quantitatives Wachstum» anstrebt, erfährt der kleine Holzwarenbetrieb in Gondiswil ab und zu eine «sanfte» Erweiterung. So konnte vor kurzem die neue Lager- und Verpackungs-halle eingeweiht werden. Vorgängig war der Holzlagerplatz vergrössert worden, damit bei der steigenden Nachfrage immer genügend Holz eingekauft und gelagert werden kann. Denn allein für die Cuboro-Produktion wird jährlich etwa 250 Kubikmeter Buchenholz benötigt.
Die Nachfrage kann jedoch nicht immer befriedigt werden, manchmal müssen auch Absagen gemacht werden, weil ganz einfach die Kapazität fehlt. Erfindungsgeist, Freude an der Sache und die hohe Qualität der hergestellten Produkte bilden die Grundlage für den grossen Erfolg des kleinen Familienbetriebes.

Hit «Cuboro»
Der Hit im Sortiment der Firma Nyfeler ist das «Cuboro»-Spiel: Es besteht aus rohen, ungebeizten Buchenholzwürfeln, die mit einem ausgeklügelten System von Kanälen versehen sind und als Marmelspiel benutzt werden können. Erfunden wurde dieses Spiel – im Gegensatz zu andern Spielsachen – nicht von Hans Nyfeler, sondern von Matthias Etter, einem Spiele-Erfinder.
Als dieser einen Hersteller suchte, stiess er nach mehreren Misserfolgen auf den Betrieb in Gondiswil. «Bis zur Perfektion in der Herstellung war es aber ein langer Weg, auch punkto Maschinen und Werkzeugen», hält Hans Nyfeler fest. Seit 1986 werden nun die Holzwürfel fabriziert – 83 verschiedene Sorten sind es heute.

Ein Betriebsgeheimnis
Wie entstehen die 90-Grad-Kurvenbohrungen in den Würfeln? Dies hätte mancher schon gerne herausgefunden – unter anderem auch Studenten aus Deutschland. Es ist und bleibt aber ein Geschäftsgeheimnis. Die «Cuboro»-Produktion lastet heute den Betrieb zu etwa 70 Prozent aus und ist immer noch im Zunehmen begriffen. «Letztes Jahr waren es 18000 Kasten. Wir kommen aber langsam an den Anschlag», meint Remo Nyfeler – der Junior. Ganz speziell für den Versand dieses Produktes wurde die neue Verpackungsstrasse eingerichtet. Vor dem Bau der neuen – 15 x 12 Meter messenden – Halle wurden die fertiggestellten Sachen in den Produktionsräumen gelagert und auch verpackt. Da wurde es aber mit der Zeit zu eng.
Das 28 Meter lange Förderband, wo Nelly Nyfeler nun zusammen mit der Mitarbeiterin Ruth Christen die Holzwürfel in Schachteln verpackt, ist in einem ovalen Kreis angelegt.
15-mal reisen die Schachteln ringsum, bis ein Cuboro-Standard-Kasten mit allen Würfeln plus Zubehör bestückt ist. Zuletzt durchlaufen sie noch einen Tunnel, wo sie mit einer Plastikhülle umgeben werden. Die Packerinnen tragen um den Hals ein kleines Kästchen mit vier Knöpfen, womit sie das Band starten, stoppen, schneller oder langsamer laufen lassen können.

Elektronik-Freak
Die Steuerung der Anlage hat Remo Nyfeler in Zusammenarbeit mit einem Elektro-Ingenieur selbst gebaut wie auch die Steuerung für die neue Bürstmaschine. Elektronik ist sein Hobby. Er ist nun auch schon seit zehn Jahren im väterlichen Betrieb tätig; auch seine Frau Margret arbeitet mit – sie ist für die Büroarbeiten zuständig.
Remo ist gerne in die Fussstapfen des Vaters getreten, und er hat auch das «Tüfteln» von ihm geerbt. Ganz besonders schätzt er es, dass moderne Maschinen eingesetzt werden können, um den von der Natur geschaffenen Rohstoff Holz mit Computertechnik zu bearbeiten. «Diese Kombination fasziniert mich», sagt er. Einen Mini-Computer tragen die beiden Chefs immer auf sich: Mit der elektronischen Agenda werden Aufträge und andere wichtige Notizen gespeichert und über Infrarot in Sekunden ausgetauscht.
Der Familienbetrieb soll ein solcher bleiben, allzu gross will man nicht werden. Hans und Remo Nyfeler lieben es beide, noch praktisch mitzuarbeiten und nicht nur zu organisieren. «Selbst an die Maschinen stehen und die Prozesse miterleben, sonst kommen auch die neuen Ideen nicht mehr», benennt es Remo. Es könne natürlich auch zum Problem werden, wenn man nicht genug liefern könne, wirft er noch ergänzend ein. «Man darf einen Holzverarbeitungsbetrieb nicht mit der allgemeinen Industrie vergleichen, Holz ist anders zu verar-beiten als Kunststoff, es braucht manchen Arbeitsgang bis zum Endprodukt», hält Hans Nyfeler fest.

Bald Geschäftsübergabe
Heute treffen sie wichtige Entscheide gemeinsam, in etwa zwei Jahren wird Vater Nyfeler (60) den Betrieb seinem Sohn (30) übergeben. «Es freut mich, dass er Interesse und Freude daran hat, deshalb werde ich etwas vor dem Pensionsalter zurücktreten. Ich habe den Betrieb jetzt 40 Jahre geführt», sagt Hans Nyfeler. Er wurde nach dem frühen Tod seines Vaters bereits mit 20 Jahren Unternehmer.
Im September letzten Jahres kam der jüngste Spross der Familie, Cedric Nyfeler, zur Welt. «Ob er einmal die Firma weiterführen wird, dies wollen wir ihm dann schon selbst überlassen», sagt sein Vater Remo. bag


Florierender Familienbetrieb
Hans Nyfeler Holzwaren, Gondiswil.
Ernst Nyfeler, der Vater des jetzigen Betriebsinhabers, gründete 1937 in Rohrbach als Rechenmacher einen kleinen Holzwarenbetrieb. 1948 zog die Familie nach Gondiswil, wo das Gewerbe weitergeführt wurde.
Hans Nyfeler machte als einer der letzten in diesem Beruf eine Lehre als Rechenmacher bei der Firma Wüthrich in Dürrenroth. Als die Nachfrage nach hölzernen Geräten wie Rechen und Gabeln in der Landwirtschaft abnahm, stellte Hans Nyfeler – der die Firma inzwischen übernommen hatte – auf die Produktion von technischen Holzwaren und Spielwaren um.
Heute werden neben dem Hauptprodukt «Cuboro» einerseits Serien wie Etuis, Kistli, Kugeln, Rundstäbe, Möbelgriffe und anderes hergestellt, und andererseits Spielwaren wie etwa VW-Käfer, Tanklastwagen, Mühlespiele. Auch Musikinstrumente (Flöte und Streichglockenspiel) sowie Fussmassage-Roller findet man im Sortiment. Geliefert wird an Wiederverkäufer, ein Direktverkauf findet nicht statt. Präsent ist die Firma auch im Internet unter www.holzwaren.ch.
Neben Vater Hans und Sohn Remo Nyfeler sowie ihren Ehefrauen Nelly und Margret arbeiten gegenwärtig noch zwei Vollzeitangestellte und drei Teilzeitangestellte im Betrieb.
Grossen Wert legt man auf ein gutes Arbeitsklima, und der Inhaber hält mit Genugtuung fest, dass man noch nie ernsthafte Unfälle zu verzeichnen hatte. bag